DER TOD, DAS EI UND DAS SCHÖNSTE LIEBESLIED
Eigentlich wollte ich nur Toastbrot kaufen gehen
Der BMW hielt ungebremst auf mich zu. Wie möchtest du sterben? Die beste Antwort auf meine Lieblingsinterviewfrage kommt von der Sängerin Peaches (nein, nicht die Geldof, sondern die Shake Yer Dix): Lachend. Daran musste ich beim Anblick des deutschen Nummernschilds denken. Es lautete: SAD. Haha, zum Todlachen. Ironisch sterben oder ernsthaft weiterleben? Eigentlich wollte ich nur kurz Toastbrot kaufen gehen. Und nun diese existenziellen Entscheidungen auf dem Zebrastreifen. Adrenalin, du bist ein guter Freund. Dem traurigen BMW wünschte ich einen glücklichen Tod. Friedlicher Exitus in der Tiefgarage. Du Idiot.
Aber eben. Der Plan war, einen sehr entspannten Samstagnachmittag zu verbringen. Andererseits verlangten die Ereignisse einen Dank an das Glück. Eine Ode an das Leben. Und der Toast, dem ich das alles zu verdanken hatte, wartete auch noch auf seinen Einsatz. Darum folgt jetzt ein supersimples Wohlfühlrezept mit Wonnegarantie: Oeuf en cocotte. Dazu brauchts in der Grundversion nichts mehr als ein rohes Ei, etwas Crème Fraîche, Gruyerzer, Muskatnuss, Salz und Pfeffer und etwas Dill zum Garnieren. Zum Aufpimpen einfach nachschauen, was der Kühlschrank so an Resten hergibt. Traditionell werden die oeufs im Auflaufförmchen zubereitet. Extrem chic ist ihr Anblick aber auch in einer Teetasse, wie sie die formidable Rachel Khoo von Little Paris Kitchen verwendet. In diesem Clip zeigt sie euch, wie’s genau geht.
Kurz gefasst: Einige Klackse Crème Fraîche in die Tasse geben, Muskatnuss und Gruyerzer darüberreiben, Ei aufschlagen, Salz und Pfeffer würzen, darüber noch einen Esslöffel Crème Fraîche. Am liebsten mag ich mein oeuf en cocotte, wenn der Dotter die Konsistenz eines 3-Minuten Eis hat. Diese ist bei ca. 15 Minuten im Ofen bei 170 C erreicht. Das ist genug Zeit für Facebook und Twitter Updates. Man kann ausserdem die Top Drei der Lieblingssongs abspielen und zuschauen, wie das Ei im Tässchen vor sich hinblubbert, das ist grossartige Meditation, glaubt mir. Mein Sound ist eine Doppeldosis Sweet Surrenderr von Tim Buckley, der allerschönste aller zum niederknien traurigen Lovesongs. Et voilà: Einige Flocken Maldon-Salz, eine Toast-Scheibe abbrechen und in die flüssig-cremige Eiermasse reintunken. Oh ja, der Aggregatszustand der Glückseligkeit ist erreicht.
P.S: Am Abend fand ich dank eines aufmerksamen Facebook-Freunds heraus, woher der traurige BMW kommt: sachdienlicher hinweis: des war ein bayer aus schwandorf. klingt traurig is aber so.


© Play Hunter