January 13, 2014, MODEL CITIZENS

DER NACKTE BEWEIS, WARUM POPSONGS DIE BESSEREN RATGEBER SIND

Gemäss Marcus Kraft, Art Director und «Pop Music Wisdom» Autor

Marcus Kraft, author of 'Don't Eat The Yellow Snow', read more on http://playlust.net/kraft-mit-musik/

© Play Hunter


Always look on the bright side of life / Eric Idle

Es begann mit einem verregneten Laos-Trip und Musik. Sehr viel Musik: Um sich die Zeit zu vertreiben, tauschte Marcus Kraft mit anderen Backpackern Playlists aus. Das Wetter blieb mies, dafür stieg die Sammlung auf über 500 Titel – sowie Krafts Stimmung: Pop, so dämmerte es dem gestrandeten Süddeutschen, hilft nicht nur bei Liebes- und Wetterkummer, Pop hat eine Antwort auf alles. Ob bei der Partnerwahl oder im WG-Casting: der Musikgeschmack richtets. Musik ist der beste Einpeitscher und Motivator, wie jeder Sportler weiss. Was wäre die Autowerbung ohne szenischen Soundtrack? Wer war noch nie in einer Last Night A DJ Saved My Life-Situation? Ausserdem: Ein guter Poptitel besteht aus einem scharf formulierten Einzeiler oder einem universell verständlichen Do & Don’t. So lautet das Gesetz. Fehlt nur noch das Buch. Dachte sich Kraft.

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This could be the start of something big / Ella Fitzgerald

Zuhause in Zürich pinselte der Grafiker und Art Director 250 Songlines fürs Leben auf A4-Blätter. Mit einem Buch-Prototypen und einer Liste mit Wunschverlegern reiste er im Herbst 2011 zur Frankfurter Buchmesse. Spontan haute er einen Vertreter des holländischen Verlags Bis an. Die Zeit drängte, Krafts Zug wartete. Zufällig war der Verlagsleiter da. Über einem Glas Wein wurde man handelseinig. Kraft reiste mit einem Buchvertrag nach Hause. Die Wahl des Titelsongs fiel auf Don’t Eat The Yellow Snow von Frank Zappa, einem Lieblingsmusiker des Neu-Autors, der in seiner Freizeit Schlagzeug in einer Band spielt, aber noch nie als DJ auftrat.


You’ve got a friend / Carole King

Mit dem musikalischen Trostspender im Bibelformat lässt es sich prima durch den Tag und jegliche Art von Blues navigieren. Kein Wunder: Einer wie Lou Reed weiss nun mal, worüber er singt. Jeder gute 3-Minuten Song kommt schnell zur Sache. Und das bekanntlich mit ordentlich Witz oder Sex oder am besten mit beidem. Drittens zeigen die gesammelten Lebensweisheiten aus Pop, Rock, Punk und Hip-Hop der letzten 50 Jahre: Musiker sind schlicht und einfach die begnadeteren Schreiber als sämtliche Ratgeberliteraten und Glücks-Philosophen zusammen.

Time for a change / Mötley Crew

Nun kann man einwenden, ein weiteres Gesetz laute, dass Popmusik oberflächlich sei, leistungsbetont und erfolgsorientiert, Stichwort Madonna. Da kann man ja gleich Shoppen gehen, und eine Pizza danach macht auch glücklich. „Ich glaube ein Ratschlag von richtigen Leuten, in diesem Fall von Popmusikern, spendet mehr Trost als Konsum. Im Gegensatz zur materiellen Befriedigung schont Popmusik auch Portemonnaie und Kalorien“ kontert Kraft, für den auch ein gutes Gespräch ein Sofort-Glücklichmacher ist.


Let the music do the talking / Aerosmith

Ein Blick in den Buch-Index bestätigt: Love, Life, Optimistic, Encouragement, Destiny, Behaviour und Moving sind die populärsten Pop-Themen. Viele Titel inspirieren zum Umdenken und rufen zum Handeln auf, dankenswerterweise ohne dabei zu predigen oder die Moralkeule zu schwingen. Nicht völlig überraschend sind Bob Dylan und die Beatles mit den meisten Titeln vertreten (4), dicht gefolgt von den Rolling Stones, Barry White, Queen und Oasis (3). Aber es gibt auch Unerwartetes: Einen Hans Hartz, die Doris Day sowie den Rat The Trick Is To Keep Breathing von Garbage. Ja, sogar Tiefgründiges von den Guns’N’Roses: You Can’t Put Your Arms Around A Memory.

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You’re nobody ’til somebody loves you / Dean Martin

Mit seinem Songbuch hat Kraft geschafft, wovon jeder Autor träumt: er hat einen internationalen Bestseller gelandet, der bereits nach 12 Monaten in der dritten Auflage erhältlich ist. Eine Frage an den Kletterspezialisten. Was fühlt sich eigentlich besser an: Das Erklimmen einer Felswand oder die Topten von Amazon? „Definitiv der Berg! Das gibt einem doch mehr Kick und Substanz.“ Im übrigen findet es der Erfolgsautor zwar toll, über 12’000 Buch-Exemplare verkauft zu haben und im Giftshop des MoMa in New York oder dem Tate Modern in London vertreten zu sein. Persönlich sind Marcus aber die Musik, Berge, das Meer und ab und an etwas Schokoeis im Leben wichtiger.


Ask for answers / Placebo

Is Simplicity Best Or Simply The Easiest? Auf die Frage von Depeche Mode weiss zwar auch Don’t Eat The Yellow Snow keine endgültige Antwort. Krafts Werk beweist aber, dass Pop grosse Antworten auf einfache Fragen geben kann.

Und nun zum Bonustrack:


Get off the internet / Le Tigre

Wer diesen Ratschlag befolgt, hat sicherlich Freude an der gleichnamigen und eben herausgekommenen Postkarten-Edition von Don’t Eat The Yellow Snow. Wer will, kann auch die Original-A4 Blätter erwerben und die eigenen Wände mit der persönlichen Songlist bespielen. Dafür dürfen Internetmenschen auf Popmusicwisdom zum Titel auch gleich den Song abspielen.

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